Corona und die Herausforderungen für die Baustelle

Corona und die Herausforderungen für die Baustelle

Welche Einschränkungen Corona beim Baustellenbetrieb bewirkt – und wie Bauunternehmen darauf reagieren können

Die Coronapandemie hat die Welt nach wie vor im Griff. Das Baugewerbe ist zwar bisher in Deutschland vergleichsweise glimpflich durch die Krise gekommen. Dennoch gibt es Herausforderungen für die Branche. In diesem Artikel fassen wir zusammen, was während Corona auf Baustellen wichtig ist – und wie Digitalisierung Unternehmen helfen kann.

Auch wenn der Baubetrieb während der Coronapandemie im Hoch- und Tiefbau weitergeht: Für viele Unternehmen entstehen durch Corona zusätzliche Anforderungen und Kosten. Du musst Hygieneauflagen erfüllen und Mitarbeitern die Arbeit unter Social Distancing ermöglichen. Dafür sind Anpassungen des Arbeitsalltags nötig.

Schichtbetrieb und kleine Kolonnen in vielen Unternehmen wegen Corona

Laut Arbeitsschutzgesetz müssen Arbeitgeber laufend das Risiko für eine Gefährdung ihrer Mitarbeiter abschätzen, um ihre Sicherheit und Gesundheit zu schützen. Sind mit der Arbeit konkrete Risiken verbunden, musst du als Arbeitgeber daher Maßnahmen ergreifen, die sie so wirksam wie möglich bekämpfen. Das gilt auch für das Risiko, an COVID-19 zu erkranken.

Wo es möglich ist, setzen Unternehmer daher zum Beispiel auf kleinere Kolonnen im Schichtbetrieb. Wichtig dabei: Zwischen zwei Schichten sollte eine Pause liegen, damit Mitarbeiter sich nicht begegnen. Gemeinsam genutzte Arbeitsmittel sollten am Ende jeder Schicht desinfiziert werden.

Die Aufteilung in Schichten macht die Kommunikation auf der Baustelle wesentlich komplizierter. Damit wichtige Informationen nicht verloren gehen, ist eine lückenlose Dokumentation in Echtzeit wichtig. Eine digitale Kommunikation erleichtert dabei die Abläufe:

Eine digitale Zeiterfassung ermöglicht beispielsweise, dass Mitarbeiter ihre Arbeitszeiten erfassen und der Lohn ausgezahlt wird – kontaktlos, zuverlässig und in Echtzeit. Auch Planung und Aufgabenmanagement lassen sich digital ohnehin wesentlich effizienter umsetzen. In Corona-Zeiten ermöglicht es erst recht eine reibungsfreie Zusammenarbeit.

Bauunternehmen müssen während Corona auf der Baustelle Masken zur Verfügung stellen

Um das Risiko einer Infektion im beruflichen Umfeld weiter zu senken, hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales in seiner Arbeitsschutzverordnung Maßnahmen zum Schutz von Beschäftigten veröffentlicht. Wichtige Neuerung: Medizinische Masken oder FFP2-Masken ersetzen die bisher erforderlichen Alltagsmasken. Vor allem in Innenräumen ist auf Baustellen auch das Tragen von Schutzmasken erforderlich.

Arbeitgeber müssen Mitarbeitern mindestens medizinische Gesichtsmasken (Mund-Nasen-Schutz) zur Verfügung stellen.

Gerade in den Winterwochen, in denen verstärkt Sanierungen und Innenausbauten stattfinden, ist diese Regelung zu beachten. Doch auch bei Arbeiten im Freien schützen Masken vor der Kälte und dem Ansteckungsrisiko durch immer neue Virus-Mutationen. So lästig sie auch sind: Masken helfen dem einzelnen Mitarbeiter und dadurch auch der gesamten Belegschaft. Auch die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) hat daher Anfang des Jahres bundesweit mit der Verteilung von FFP2-Masken an Beschäftigte der Bauwirtschaft und der baunahen Dienstleistungen gestartet.

Bauunternehmer schränken Fahrten zwischen Baustellen während Corona ein

Die Forderung, Kontakte zu beschränken, ist im Arbeitskontext weniger strikt als im Privaten. Dennoch ist die Reduzierung aller Kontakte eines der effektivsten Mittel, um die Pandemie einzudämmen. Unternehmer tun daher gut daran, die Zahl der Fahrten zwischen verschiedenen Baustellen und dem Büro so gering wie möglich zu halten.

Eine Digitalisierung der Prozesse unterstützt die Baustellenkoordination erheblich, weil sie eine effiziente Zusammenarbeit auch in der Pandemie ermöglicht. Dokumente sind immer aktuell und alle Akteure können von überall darauf zugreifen. Digitale Zusammenarbeit macht es möglich, dass viele Prozesse ungestört weiterlaufen können – auch während einer Pandemie.

Bauunternehmer und Bauarbeiter begrüßen sich mit Ellbogen auf einer Baustelle.

Verzögerte Bauanträge durch Corona

Verzeichnen Bauunternehmen aktuell einen Rückgang der Aufträge besonders im kommunalen Bereich, so kann dies mit verzögerten Prozessen in den Ämtern zusammenhängen. Die in einigen Bereichen ohnehin dünne Personaldecke führt dazu, dass Bearbeitungszeiten aktuell länger sind. Es ist dann eher eine Verzögerung durch die Pandemie als ein echter Rückgang der Nachfrage.

Baubranche erlebt Störung der Lieferketten

Wie auch andere Wirtschaftsbereiche ist der Bausektor im Einzelfall von Störungen in den Lieferketten betroffen. Vorübergehende Grenzschließungen und Produktionsausfälle können zu Lieferengpässen oder höheren Materialkosten führen. Seit Anfang der Pandemie im Frühjahr 2020 ist dieses Risiko jedoch vergleichsweise glimpflich ausgefallen.

Trotz Corona-Krise: Baubranche stärkt Wirtschaft

Die Krise ist seit Anfang 2020 allgegenwärtig und erzeugt eine beispiellose Krisenstimmung. Aber wie geht es der Baubranche? Der ifo Geschäftsklimaindex ist laut Unternehmensbefragung des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB) trotzdem im Juni auf 86,2 Punkte gestiegen, nachdem er im Mai bereits bei 79,7 Punkten lag.
Insbesondere im Wirtschaftsbau und im öffentlichen Bau melden die befragten Bauunternehmen jedoch eine rückläufige Entwicklung. Lediglich im Wohnungsbau werden die Auftragsbestände noch mit „ausreichend“ beschrieben.

Aber die Zahlen sprechen für sich: Das Bauhauptgewerbe hat im Oktober 2020 einen Rekord beim Auftragseingang aufgestellt. So hat es das Statistische Bundesamt (Destatis) ermittelt. Langfristige Vorhersagen sind noch nicht möglich. Die Bauwirtschaft stabilisiert damit die deutsche Wirtschaft in der Corona-Krise.

„Gerade die Bauwirtschaft ist mit ihrer dezentralen Struktur sehr gut geeignet, zu einer Stabilisierung der Volkswirtschaft beizutragen. Daher dürfen Baustellen nicht geschlossen werden”,

sagt deshalb Reinhard Quast, Präsident des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe.

Ansprache von Reinhardt Quast, Vorsitzender des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB)

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Langfristige Veränderungen: Neue Architektur durch Corona

Schon jetzt zeigt sich, dass sich die Architektur und das Bauwesen grundsätzlich verändern müssen – aufgrund der aktuellen Lage und des Risikos von weiteren Pandemien in der Zukunft. Architekten und Planer werden verstärkt berücksichtigen müssen, wie Menschen in Zukunft leben und arbeiten können, wenn Social Distancing oder Homeoffice zum Alltag gehören. Die Corona-Krise zeigt aber schon jetzt Wege, wie Unternehmen sich für die Zukunft besser aufstellen können und durch eine Digitalisierung ihrer Prozesse wettbewerbsfähiger werden.

Möchtest du auch die Herausforderungen meistern und deine Baustelle ganz einfach digitalisieren?

Bildnachweise: saravutvanset / RooM via Getty Images; Chanin Wardkhian/Moment via Getty Images.